Die „Lange Nacht der Wissenschaft“ 2011

Juni 7, 2011

Nach einem Jahr Forschungstätigkeit konnten wir auf der diesjährigen „Langen Nacht der Wissenschaft“ unsere ersten Ergebnisse vorstellen. Im Rahmen der Projektpräsentation haben wir das von uns entwickelte Messgerät und die dazugehörige Software präsentiert. Während der Präsentation zeigten wir online den Schluckvorgang auf einem Bildschirm, um den Besuchern den Ablauf der Untersuchung und die ersten Forschungsergebnisse erklären zu können.
Wir haben das vergangene Jahr genutzt, um sowohl die Messmethode als auch den Versuchsaufbau zu optimieren und Fehlerquellen zu beseitigen. Dies umfasste die Evaluierung des Messsystems als auch die Weiterentwicklung einer automatisierten Schluckerkennung. Ausgehend von der Fragestellung, ob es möglich ist, mit der Kombination aus EMG und Bioimpedanz Schluckbewegungen sicher zu erkennen, wurden die ersten gesunden Probanden untersucht. Wie bereits letztes Jahr demonstriert, erfolgten die Untersuchungen mit Oberflächenelektroden. Die ersten statistischen Auswertungen zeigten eine über 90%ige Sicherheit in der Erkennung einer Schluckbewegung. Weitere Untersuchungen konnten nachweisen, dass das Messsignal durch unterschiedliche Mengen und Konsistenzen von Nahrungsmitteln beeinflusst wird, die während der Untersuchung geschluckt werden. Das Geschlecht der Probanden und die Leitfähigkeit der Nahrungsmittel hatten hingegen keinen Einfluss.
Entscheiden für die weitere Nutzung des Messsystems waren die Untersuchungen zur Reproduzierbarkeit des Messverfahrens. Das heißt, ob das Messverfahren in aufeinander folgenden Messungen vergleichbare Messergebnisse zeigt. Wir konnten eine sehr gute Reproduzierbarkeit finden. Damit sind die ersten wichtigen Schritte in Richtung Diagnostikinstrument und Schluckneuroprothese getan.
Zur Zeit erfolgen die ersten Untersuchungen an Schluckpatienten die prüfen, inwieweit das Bioimpedanzmesssignal mit den anatomischen und physiologischen Veränderungen korreliert.
Der Stand befand sich dieses Jahr im Hauptgebäude der TU Berlin im „Haus der Ideen“. Das Interesse an unserer Präsentation war gut. Dabei erwies sich die Präsentation an einem Stand und nicht im Rahmen einer Kurzvorlesung als Vorteil, da besser auf die Fragen und Anmerkungen der Besucher eingegangen werden konnte. Vor allem Menschen, die mit Betroffenen in Kontakt stehen wie Angehörige, Therapeuten oder Pflegekräfte, zeigten ein besonderes Interesse an unseren Forschungsergebnissen.

82. Deutscher HNO-Kongress, Freiburg

Juni 5, 2011

Aus Anlass des 82. Deutschen HNO-Kongress in Freiburg wurden erstmals Ergebnisse des Forschungsvorhabens einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Nach einer kurzen Erläuterung des Messprinzips und des Messgerätes wurde das Auswertungsverfahren vorgestellt Grundlage ist, dass die endoskopischen Untersuchungen gezeigt haben, dass den Messergebnissen von EMG und Bioimpedanz anatomische und physiologische Korrelate des Schluckvorgangs zugeordnet werden können. Das sind typische Veränderungen in der Mundbodenmuskulatur während der Kehlkopfhebung und die Änderung der Bioimpedanz durch die Kehlkopfhebung bzw. den Pharynxverschluss. Mithilfe der aus den Messergebnissen ermittelten Parameter konnte der Schluckvorgang sicher von ähnlichen Bewegungen wie Kauen, Kopfwendungen oder Sprechen differenziert werden. Weitere Untersuchungen zeigten, dass das Messergebnis für weitere Studien sicher reproduzierbar ist. Damit steht erstmals ein physiologisches Messverfahren zur Verfügung, das ein reproduzierbares Messsignal vom Schlucken erzeugt.

Im Weiteren wurden Einflussfaktoren auf das Messsignal geprüft. Da die Leitfähigkeit des Gewebes Grundlage des Messprinzips ist, haben wir auch den Einfluss der Leitfähigkeit des geschluckten Materials geprüft. Das Messsignal ist unabhängig von diesem Faktor, ebenso von der Geschlechtszugehörigkeit der Probanden. Einfluss nimmt die Konsistenz des geschluckten Materials, es gibt einen Unterschied zwischen den Materialien. Dies ist bereits aus früheren Untersuchungen mit anderen Messverfahren bekannt.

Begonnen wurde nun eine Automatisierung der Messauswertung um die Qualität des Schluckvorgangs bewerten zu können und den idealen Punkt für eine elektrische Stimulation der Muskulatur zu finden.

Vortrag 82. Deutscher HNO-Kongress